Nicht der Kaufpreis entscheidet über den Business Case
Bei der Bewertung eines Batteriespeichers wird häufig zuerst auf den Preis pro Kilowattstunde Speicherkapazität geschaut. Das ist verständlich – aber zu kurz gedacht.
Denn zwei technisch vergleichbare Batteriespeicher können an zwei verschiedenen Standorten vollkommen unterschiedliche wirtschaftliche Ergebnisse erzielen. Der Grund: Ein Speicher spart oder erwirtschaftet nicht allein deshalb Geld, weil er vorhanden ist.
Wirtschaftlicher Nutzen entsteht aus seinem Einsatz und seiner Betriebsstrategie.
Faktor 1: Das Lastprofil
Für Gewerbe- und Industriespeicher gehört der Lastgang zu den wichtigsten Datengrundlagen. Er zeigt:
- wann Energie benötigt wird,
- wie hoch Leistungsspitzen ausfallen,
- wie lange diese dauern,
- wie regelmäßig sie auftreten.
Ein Unternehmen mit einem konstanten Verbrauchsprofil besitzt andere Optimierungsmöglichkeiten als ein Standort mit starken Leistungsschwankungen. Deshalb ist eine reine Betrachtung des Jahresverbrauchs häufig nicht ausreichend.
Faktor 2: Die Stromkostenstruktur
Auch die Stromrechnung muss detailliert betrachtet werden. Relevant sein können unter anderem:
- Energiepreis,
- Netzentgelte,
- Leistungspreise,
- Arbeitspreise,
- Beschaffungsmodell,
- Lastprofil,
- Eigenerzeugung,
- Steuern,
- Umlagen und Abgaben.
Bei leistungsgemessenen Kunden können Arbeits- und Leistungskomponenten der Netzentgelte relevant sein. Regulatorische Rahmenbedingungen können sich während der Lebensdauer eines Batteriespeichers verändern. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung sollte deshalb heutige Bedingungen nicht unkritisch über viele Jahre fortschreiben.
Faktor 3: Speicherleistung und Speicherkapazität
Ein wirtschaftlich sinnvoller Speicher ist nicht automatisch der größte Speicher. Für Peak Shaving kann eine hohe Leistung bei vergleichsweise begrenzter Kapazität sinnvoll sein. Für Energieverschiebung über mehrere Stunden kann dagegen eine größere Kapazität erforderlich sein.
Überdimensionierung bindet unnötig Kapital. Unterdimensionierung kann wirtschaftliches Potenzial ungenutzt lassen. Die richtige Auslegung liegt dazwischen.
Faktor 4: Wirkungsgrad
Beim Laden und Entladen entstehen Verluste. Wer beispielsweise Strompreis-Arbitrage betreibt, darf deshalb nicht einfach Einkaufspreis und Verkaufspreis voneinander abziehen. Der Preisunterschied muss auch Verluste und weitere variable Kosten kompensieren.
Bei häufig zyklisch betriebenen Speichern hat die Systemeffizienz direkten Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit.
Faktor 5: Alterung und Zyklen
Jeder Batterieeinsatz beansprucht das System. Für eine realistische Wirtschaftlichkeitsberechnung müssen unter anderem berücksichtigt werden:
- Zyklenzahl,
- Entladetiefe,
- Temperatur,
- Leistung,
- Betriebsstrategie,
- kalendarische Alterung,
- erwartete Restkapazität.
Ein zusätzlicher Handelszyklus ist nur sinnvoll, wenn der erwartete zusätzliche wirtschaftliche Nutzen die damit verbundenen Kosten einschließlich der Alterungswirkung rechtfertigt.
Faktor 6: Mehrfachnutzung
Besonders interessant kann die Kombination mehrerer Anwendungen sein. Beispielsweise Peak Shaving + PV-Optimierung + Strompreisoptimierung oder Spotmarkt + Regelenergie.
Diese Mehrfachnutzung wird häufig als Multi-Use oder im Marktumfeld als Revenue Stacking bezeichnet. Der Speicher erhält damit nicht nur einen wirtschaftlichen Einsatzzweck. Die Anwendungen müssen jedoch technisch und wirtschaftlich gemeinsam optimiert werden – etwa Strom-Arbitrage und Regelenergie.
Faktor 7: Netzanschluss und Standort
Vor allem bei größeren Anlagen kann der Netzanschluss zum zentralen Faktor werden. Ein theoretisch attraktiver Business Case nützt wenig, wenn die erforderliche Anschlussleistung am Standort nicht zur Verfügung steht oder nur mit erheblichem Ausbauaufwand realisiert werden kann.
Bei Stand-alone-Großspeichern gehören daher Netzanschlusspunkt, verfügbare Leistung und Standortqualität zu den entscheidenden Projektparametern.
Welche Kennzahlen zählen?
Eine professionelle Bewertung sollte nicht ausschließlich mit einer theoretischen Amortisationszeit arbeiten. Je nach Projekt sind beispielsweise relevant:
- Kapitalwert,
- interner Zinsfuß,
- Cashflow,
- Investitionskosten,
- Betriebskosten,
- Degradation,
- Finanzierung,
- Erlösannahmen,
- Sensitivitäten.
Besonders wichtig ist eine Szenarioanalyse. Was passiert beispielsweise, wenn Erlöse niedriger ausfallen, Strompreis-Spreads sinken, der Speicher stärker altert oder sich regulatorische Bedingungen verändern?
Fazit
Die Wirtschaftlichkeit eines Batteriespeichers entsteht aus dem Zusammenspiel von Technik, Standort, Energiemarkt und Betriebsstrategie.
Die wichtigere Frage lautet nicht „Was kostet der Speicher?“, sondern „Welchen wirtschaftlichen Wert kann dieser Speicher an genau diesem Standort über seine Lebensdauer erzeugen?“
Quellen & weiterführende Informationen
Hinweis: Die dargestellten Inhalte dienen der allgemeinen Information. Wirtschaftlichkeit, regulatorische Anforderungen und Vermarktungsmöglichkeiten hängen vom konkreten Projekt, Standort und jeweils geltenden Rahmenbedingungen ab.
