Stromkosten senken ist nicht die einzige Frage
Batteriespeicher werden für Gewerbe- und Industrieunternehmen zunehmend interessant. Doch die entscheidende Frage lautet nicht: „Wie groß sollte der Speicher sein?“
Sie lautet zuerst: „Welche Aufgabe soll der Speicher an diesem Standort übernehmen?“
Denn ein Batteriespeicher kann Stromkosten auf unterschiedliche Weise optimieren. Er kann Lastspitzen reduzieren, selbst erzeugten PV-Strom zeitlich verschieben, Ladeinfrastruktur unterstützen, auf Strompreissignale reagieren oder – bei entsprechender technischer und regulatorischer Einbindung – zusätzliche Erlösmodelle erschließen.
Ob sich ein Speicher wirtschaftlich lohnt, hängt deshalb nicht allein vom Stromverbrauch eines Unternehmens ab, sondern vor allem davon, wann Strom verbraucht wird, mit welcher Leistung und zu welchen Kosten.
Mehrere Speicheranwendungen können miteinander kombiniert werden. Dazu gehören beispielsweise Lastspitzenkappung, PV-Eigenverbrauchsoptimierung und Arbitrage. Eine solche Mehrfachnutzung kann den wirtschaftlichen Wert eines Speichers erhöhen, erfordert jedoch eine entsprechend sorgfältige Planung und Steuerung.
1. Hohe Lastspitzen können ein entscheidender Hebel sein
Bei vielen leistungsgemessenen Gewerbe- und Industriekunden besteht das Netzentgelt aus Arbeits- und Leistungskomponenten. Damit kann nicht nur die insgesamt verbrauchte Energiemenge relevant sein, sondern auch die beanspruchte Leistung.
Entstehen beispielsweise durch Produktionsstarts, Maschinen, Kompressoren, Kühlung oder Ladeinfrastruktur kurzfristig hohe Spitzen, kann ein Batteriespeicher gezielt Leistung bereitstellen. Der Netzbezug steigt dadurch weniger stark an. Das Prinzip nennt sich Peak Shaving oder Lastspitzenkappung.
Entscheidend ist allerdings das reale Lastprofil. Ein Unternehmen mit kurzen, ausgeprägten Spitzen benötigt unter Umständen einen vollkommen anders dimensionierten Speicher als ein Betrieb mit mehreren Stunden hoher Dauerlast.
2. Eine Photovoltaikanlage kann den Business Case verbessern
Ein weiterer Anwendungsfall ist die Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeicher. Produziert die PV-Anlage mittags mehr Energie, als im Unternehmen unmittelbar benötigt wird, kann überschüssige Energie gespeichert und später verbraucht werden.
Dadurch kann sich der Eigenverbrauch erhöhen und der Netzbezug zu anderen Tageszeiten reduzieren. Aber auch hier gilt: Mehr Speicherkapazität bedeutet nicht automatisch mehr Wirtschaftlichkeit. Die richtige Dimensionierung ist entscheidender als die maximal mögliche Kapazität.
3. Ladeinfrastruktur verändert Lastprofile
Elektromobilität kann einen bestehenden Netzanschluss deutlich stärker beanspruchen. Mehrere gleichzeitig ladende Fahrzeuge können neue Leistungsspitzen erzeugen oder dazu führen, dass die vorhandene Anschlussleistung nicht mehr ausreicht.
Ein Batteriespeicher kann hier als zusätzlicher Leistungspuffer eingesetzt werden. Statt kurzfristig benötigte Ladeleistung vollständig aus dem Netz beziehen zu müssen, kann ein Teil über den Speicher bereitgestellt werden. Das kann insbesondere bei Logistik, Flotten, Autohäusern, Produktionsstandorten und Gewerbeimmobilien interessant sein – etwa in Verbindung mit Ladeinfrastruktur.
4. Auch der Zeitpunkt des Strombezugs bekommt einen Wert
Ein Batteriespeicher kann Energie zeitlich verschieben. Das eröffnet eine weitere Möglichkeit: Strom wird gespeichert, wenn er günstig verfügbar ist, und genutzt oder vermarktet, wenn sein Wert höher ist. Dieses Prinzip wird unter anderem als Strom-Arbitrage bezeichnet.
Wann lohnt sich ein Gewerbespeicher besonders?
Interessant wird eine detaillierte Analyse insbesondere bei Standorten mit:
- hohen oder unregelmäßigen Lastspitzen,
- PV-Erzeugung und zeitlich versetztem Verbrauch,
- wachsender Ladeinfrastruktur,
- begrenzter Netzanschlussleistung,
- flexiblen Strombezugsmodellen,
- ausreichend hoher elektrischer Leistung,
- oder der Möglichkeit, mehrere Speicheranwendungen miteinander zu kombinieren.
Die Wirtschaftlichkeit beginnt mit den Daten
Eine belastbare Speicherplanung sollte nicht mit einem Produktdatenblatt beginnen. Sie beginnt mit Lastgang, Stromabrechnung, Anschlussleistung, Erzeugung und zukünftigen Veränderungen am Standort.
Aus diesen Daten lässt sich simulieren, welche Speicherleistung und Speicherkapazität tatsächlich benötigt werden und welche Betriebsstrategie den größten wirtschaftlichen Nutzen erzeugen kann. Wie sich diese Faktoren im Detail auf die Wirtschaftlichkeit auswirken, erläutern wir in einem eigenen Beitrag.
Fazit
Ein Batteriespeicher lohnt sich für Gewerbe und Industrie nicht aufgrund einer bestimmten Unternehmensgröße oder eines pauschalen Stromverbrauchs.
Er lohnt sich dort, wo Flexibilität einen messbaren wirtschaftlichen Wert besitzt.
Sunrise Sales analysiert deshalb zuerst den Standort und das Lastprofil – und dimensioniert anschließend das Speicherkonzept. Nicht umgekehrt. Passende Systeme finden Sie unter Industriespeicher.
Quellen & weiterführende Informationen
Hinweis: Die dargestellten Inhalte dienen der allgemeinen Information. Wirtschaftlichkeit, regulatorische Anforderungen und Vermarktungsmöglichkeiten hängen vom konkreten Projekt, Standort und jeweils geltenden Rahmenbedingungen ab.
